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FKK-Campingplatztest: Domaine de Riva Bella auf Korsika

FKK-Campingplatz Domaine de Riva Bella auf Korsika. Foto: Gerhard von Kapff

Es gibt Reiseziele, auf die getrost verzichtet werden kann. Andere dagegen möchte man jedem ans Herz legen, der Sinn für die Schönheit der Natur hat und eine entspannte Atmosphäre sucht. Wie beispielsweise Korsika. Die Schwesterinsel von Sardinien liegt im Mittelmeer und hat eine so vielseitige Landschaft zu bieten wie nur wenige andere Inseln. Kulinarisch bietet sie außerdem immer wieder neue Entdeckungen und die Strände sind so unterschiedlich wie weitläufig.

Abgesehen davon hat Korsika etliche Campingplätze, fünf davon sind textilfrei, einer verfügt immerhin über einen FKK-Strand. Der wohl attraktivste Platz ist der seit 1965 bestehende Domaine de Riva Bella, ein Platz an der Ostküste mit Dünen, einer Lagune, Lamas, einem Thalasso- und Spa-Zentrum sowie einem ganz ausgezeichneten Restaurant.

Campingplatz Domain de Riva Bella auf Korsika mit anschließendem Naturschutzgebiet. Foto: Gerhard von Kapff
Campingplatz Domain de Riva Bella auf Korsika mit anschließendem Naturschutzgebiet. Foto: Gerhard von Kapff

Seit 60 Jahren ein Familienbetrieb

Seit über 60 Jahren betreibt die Familie Gaddoni den Campingplatz direkt am Meer. „Damals wurde hier vor allem Wein angebaut und meine Eltern haben dann umgestellt auf Camping“, erzählt Marie-Claire Gaddoni, die den Campingplatz leitet. Ein echter Familienbetrieb ist das, denn auch zwei ihrer Töchter und eine Schwester arbeiten mit. „Ich selbst bin eigentlich immer im Bereich rund um die Rezeption zu finden“, sagt Gaddoni. Nur konsequent also, dass die Familie Mittags gemeinsam und für alle Gäste sichtbar auf der Rezeptions-Terrasse isst.

Einst ein Weingut

Einst war das heutige Campinggelände ein Weingut, die flache Dünenlandschaft und die großen Senken dazwischen boten sich dafür an. 1965 allerdings beschlossen die Eltern einen anderen Weg zu gehen und das Gelände für Camper zu öffnen. Der damalige Campingboom half ihnen dabei, vor allem Gäste aus der nahen Provinzhhauptstadt Bastia zu locken. Bereits zwei Jahre später folgte die Umstellung auf FKK. Ein weiterer damaliger Boom, den die Familie erkannt hatte und der sich auch finanziell auszahlte.

Thalasso- und Spa auf dem FKK-Camping Domaine de Riva Bella. Foto: Gerhard von Kapff
Thalasso- und Spa auf dem FKK-Camping Domaine de Riva Bella. Foto: Gerhard von Kapff

Spa- und Thalasso-Zentrum auch für den Winter

Im Laufe der Jahre wurde das „damals sehr einfache Camp“ (Gaddoni) zu einem gehobenen Campingresort mit Thalasso- und Spa-Zentrum weiterentwickelt. Irgendwann war es – im Gegensatz zu den meisten anderen Campingplätzen – auch kein Saisonbetrieb mehr. Riva Bella ist heute das ganze Jahr über geöffnet. „In den Sommermonaten sind wir meist ausgebucht“, sagt Gaddoni, „im Winter haben wir natürlich viel weniger, manchmal sogar nur 40 Gäste. “

Lagune beim  FKK-Camping Domaine de Riva Bella. Foto: Gerhard von Kapff
Lagune beim FKK-Camping Domaine de Riva Bella. Foto: Gerhard von Kapff

Natürliches Gelände mit viel Platz

Es ist eine gewisse Gelassenheit, gut möglich, dass es sich um Lebenserfahrung handelt, die beim Gespräch mit der Camp-Besitzerin immer wieder zu spüren ist. Sie setzt sich auch in der Planung für die Weiterentwicklung des Campingplatzes fort. Denn zunächst fällt dem Besucher auf, dass es auf Riva Bella zwar Parzellen gibt. Es wurden aber keine Sträucher oder Büsche gepflanzt, um die Camper voneinander abzugrenzen oder gar Sichtkontakt zu verhindern. Außerdem wurde das Gelände nicht planiert oder gar um gestaltet wie es momentan vor allem in Kroatien Trend ist. Es gibt mehrere Möglichkeiten, den Camper oder das Zelt gerade hinzustellen, ansonsten aber wurde das Gelände weitgehend so gelassen, wie es eben war: Es ist ein bisschen hügelig und man kann sich heute noch gut vorstellen, wo einst die Reben der Weintrauben in langen Reihen verliefen. Auch wenn damals und im Gegensatz zu heute wohl nur wenige Bäume vorhanden waren.

Viel Platz für den Camper: Parzelle auf  dem FKK-Camping Domaine de Riva Bella. Foto: Gerhard von Kapff
Viel Platz für den Camper: Parzelle auf dem FKK-Camping Domaine de Riva Bella. Foto: Gerhard von Kapff

Die Camper sollen viel Platz haben

Abgesehen davon sind vor allem die Parzellen im hinteren Bereich des Platzes so groß, dass andere Campingplatz-Betreiber darauf leicht fünf oder mehr Stellplätze ausweisen würden. „Natürlich könnte ich die Parzellen kleiner machen und mehr Plätze ausweisen“, sagt Marie Claire Gaddoni: „Aber es bringt auf lange Zeit nichts, wenn man zu sehr aufs Geld schaut oder zu viel spart. Wenn ich mehr Besucher habe, brauche ich mehr Personal, mehr Strom und eine größere Infrastruktur. Es ist langfristig besser, guten Service zu bieten.“

Bungalows in den Dünen auf  dem FKK-Camping Domaine de Riva Bella. Foto: Gerhard von Kapff
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Bungalows in den Dünen auf dem FKK-Camping Domaine de Riva Bella. Foto: Gerhard von Kapff

Bungalows in den Dünen mit Meerblick

Aus diesem Grund schließt sie sich dem Trend zu Mobilehomes auch nur etwas widerstrebend an. „Klar, wenn man nur aufs Geld schauen würde, müsste man mehr als unsere 35 Mobilehomes anbieten“, weiß sie. Aber ihrer Familie sind die 90 Bungalows und 17 Chalets, die teils in erster und zweiter Reihe zum Strand stehen, und eine überwältigende Sicht aufs Meer haben, sympathischer: „Die sind solide aus Stein gebaut, sind langlebig und gut isoliert“.

Lamas als Brandschützer auf  dem FKK-Camping Domaine de Riva Bella. Foto: Gerhard von Kapff
Lamas als Brandschützer auf dem FKK-Camping Domaine de Riva Bella. Foto: Gerhard von Kapff

Ein Lama am Fenster des Campers

Kurios, dass die Isolierung der kleinen Bungalows mit den Mit-Bewohnern von Riva Bella zusammenhängt. Es ist gut möglich, dass den Campern oder Bungalowgästen unerwartet ein Lama über die Schultern oder durchs Küchenfenster schaut. Die südamerikanischen Nutztiere erfüllen auch auf Riva Bella eine wichtige Aufgabe. „Es gibt auf der Insel immer wieder verheerende Brände, die sich durch das Buschwerk der Macchia schnell weiterverbreiten“, sagt Gaddoni: „Deshalb haben wir uns Lamas zugelegt, die in ihrem Gehege alles bis auf Kopfhöhe abfressen. Wenn es brennt, ist das eine Schneise vor dem Campingplatz, die leicht zu löschen ist.“

Unerwartete Besucher: Lamas auf  dem FKK-Camping Domaine de Riva Bella. Foto: Gerhard von Kapff
Unerwartete Besucher: Lamas auf dem FKK-Camping Domaine de Riva Bella. Foto: Gerhard von Kapff

Lama-Wolle als Dämmmaterial für die Bungalows

Die meisten Tiere sind in ihrem weiten und umzäunten Gehege unterwegs. Mitunter aber büchst das ein oder andere der 35 Lamas aus und besucht die Camper. „Momentan sind es zwei, die irgendwie rausgekommen sind“, sagt Gaddoni und lächelt: „Man kann sie auch sehr gut von den anderen unterscheiden, da das Fell so struppig ist.“ Das Fell ist ein weiterer positiver Aspekt, um Lamas zu halten. „Die Wolle ist perfekt, um damit die Bungalows zu dämmen.“ Wer nun fragt, ob es im Resort-eigenen Restaurant daher auch Lama-Braten gibt, erntet einen entsetzten Blick der Camp-Chefin: „Nein, nein. Das sind doch so liebe Tiere. Die dürfen einfach hier leben.“

Open-Air-Waschhaus mit Meerblick: FKK-Camping Domaine de Riva Bella. Foto: Gerhard von Kapff
Open-Air-Waschhaus mit Meerblick: FKK-Camping Domaine de Riva Bella. Foto: Gerhard von Kapff

Einer von sechs FKK-Plätzen bei france4Naturisme

Riva Bella ist Teil der Campingplatzvereinigung france4Naturisme, die ihren Ursprung vor 35 Jahren nahm. „Wir sind die Besitzer von sechs Campingplätzen, die auch in Frankreich sind und waren einfach zu Beginn alle lediglich befreundet“, erzählt Gaddoni: „Irgendwann haben wir dann überlegt, dass wir gemeinsam einen in etwa gleichen Qualitätsstandard anbieten könnten und haben die Vereinigung gegründet.“ Die Vereinigung beschreibt sich selbst so: „Seit 1992 lädt Sie unser Netzwerk aus sechs außergewöhnlichen FKK-Anlagen dazu ein, einen authentischen Urlaub in einigen der schönsten Naturgebiete Frankreichs zu verbringen. Von Korsika bis zum Languedoc, über die Atlantikküste und die Provence, jeder unserer FKK-Campingplätze verpflichtet sich, Ihnen einen qualitativ hochwertigen Empfang und erstklassige Dienstleistungen zu bieten, sowie eine breite Palette an Aktivitäten und Einrichtungen für die ganze Familie bereitzustellen. Wir vertreten Werte wie Achtung, Freiheit, Leben in Osmose mit der Natur und ökologische Verantwortung.“

Camping Domaine de Riva Bella. Foto: Gerhard von Kapff
Camping Domaine de Riva Bella. Foto: Gerhard von Kapff

Campingplatz-Test

Öffnungszeiten: Das ganze Jahr über geöffnet. FKK von 1. April bis 5. November.

Gelände und Parzellen: Riva Bella besteht aus einem leicht hügeligen Bereich mit Stellplätzen und Mobilehomes. Daran schließt sich ein flacher Bereich in Richtung Dünen an, in dem die Stellplätze etwa weniger Platz bieten als im oberen Teil. In die Dünen gebaut wurden – was heute sicher aus Umweltgründen nicht mehr erlaubt würde, aber jahre- oder jahrzehntelanger Bestand ist – Bungalows in verschiedenen Größen und Varianten. Teils mit Stein- teils mit Holzterrassen. Die vorderen beiden Reihen haben einen sensationellen Blick über den Strand und das Meer, das allenfalls 30 Meter entfernt ist.
Rezeption: Kompetent, freundlich und schnell.

Mini-Supermarkt: Ist vorhanden, um das Nötigste einzukaufen.

FKK-Campingplatz Restaurant auf Camp Domaine de Riva Bella auf Korsika. Foto: Gerhard von Kapff
FKK-Campingplatz-Restaurant Domaine de Riva Bella auf Korsika. Foto: Gerhard von Kapff

Restaurant: Das Restaurant mit seiner herrlichen Terrasse über dem Meer ist schon optisch eine Sensation. Der Innenraum, der im Falle von schlechter Witterung genutzt werden muss, ist karg und ein wenig lieblos eingerichtet. Im Gegensatz dazu ist die Qualität der Gerichte teils überwältigend. Wir hatten bei unserem Campingplatz-Test fünf Abende das Halbpensions-Menü und hatten exakt ein Gericht, das lediglich ordentlich und gut war. Alle anderen haben uns geschmacklich, von der Qualität der verwendeten Produkte und von der Präsentation absolut überzeugt. Neben den meisten positiven gibt es im Internet einige wenige negative Kritiken. Für uns nicht im Geringsten nachvollziehbar, das Abendessen im Riva Bella war stets die Krönung des Tages.

Halbpension: Die Halbpension, die auch Campingäste buchen können, beinhaltet für 45 Euro ein sehr opulentes, auch optisch attraktiv angerichtetes Frühstück, das am Tisch serviert wird. Abends kann jeder Gast entweder aus der Karte oder dem tagesaktuellen Angebote je zwei Gerichte wählen. Also Haupt- und Nachspeise, Vor- und Hauptspeise oder Vor- und Nachspeise. Mit enthalten ist pro Person ein Viertelliter Wein und Wasser oder alternativ ein Glas Bier (0,4) sowie Kaffee. Der Kinderpreis beträgt 25 Euro.

Wandern oder Spazierengehen im angrenzenden Naturschutzgebiet: FKK-Camping Domaine de Riva Bella. Foto: Gerhard von Kapff
Wandern oder Spazierengehen im angrenzenden Naturschutzgebiet: FKK-Camping Domaine de Riva Bella. Foto: Gerhard von Kapff

Wellness: Im Spa- und Thalasso-Zentrum werden eine große Anzahl an Anwendungen gegen Bezahlung angeboten. Die kostenlose Fass-Sauna mit Meerblick – ein echter Tipp – ist ab 16 Uhr in Betrieb. Zum Abkühlen steigt man direkt ins Meer.

Sport: Tägliche, kostenlose Sportangebote für Erwachsene, vom 15. Juni bis 15. September morgens Yoga sowie je nach Programm Fitness auf dem Meer, Fitness auf dem Paddle, Nordic Walking, Bauch-Beine-Po, Hiit, Pilates, Bogenschießen mit Annie, Wassergymnastik, Paddeln, Kanu fahren oder Windsurfen , Töpferei, Acquarellkurs, Tangokurs.

Kids-Club: Im Juli und August, vormittags und nachmittags für Kinder von 4 bis 14 Jahren. Die Kinder werden von einem BAFA-qualifizierten Animateur betreut und unternehmen Aktivitäten, die für alle Altersgruppen geeignet sind: Sport, Basteln, Naturaktivitäten. Das Animationsteam spricht Französisch, Englisch, Deutsch und Spanisch.

Gästestruktur: 50 Prozent Franzosen bzw. Korsen, 30 Prozent deutsche Urlauber, 10 Prozent Schweizer und Holländer.

Ausblicke auf einen weiteren einsamen Strand: FKK-Camping Domaine de Riva Bella. Foto: Gerhard von Kapff
Ausblicke auf einen weiteren einsamen Strand: FKK-Camping Domaine de Riva Bella. Foto: Gerhard von Kapff

Persönliches Fazit

Der Campingplatz Riva Bella, auf dem wir in einem Mobilehome waren, hat uns absolut überzeugt.

Die Gründe: Der außergewöhnlich schöne Strandbereich mit Sanddünen, der sich über Kilometer hinzieht. Das auch im September noch warme und glasklare Wasser (trotz Wellen). Ein Restaurant mit einer nicht nur für einen Campingplatz überwältigenden Küche. Die Großzügigkeit der Parzellen vor allem im hinteren Camp-Bereich. Das gute Wifi: Es wurden vor Kurzem zwölf Kilometer Glasfaserkabel verlegt.

Überwältigend ist aber auch der Blick auf die beiden Lagunen. Riva Bella hat das Glück, direkt am Rande eines Naturschutzgebietes zu liegen, in dem von September bis April in einer Salzwasserlagune Flamingos leben. Zu Fuß erreichbar ist auch die gewaltig große Lagune Etangs de Diane.

Unseren Erfahrungen nach ist Riva Bella ein exzellent und mit viel Erfahrung geführter Campingplatz auf sehr hohem Niveau an einem schönen langen Sandstrand. Wer unbedingt will, kann kritisieren, dass die Sanitäranlagen schon etwas älteren Datums sind. Letztlich entscheidend: Sie sind gepflegt und sauber. Vor allem hat uns der Blick und die Qualität des Essens im Restaurant überrascht. Die Gäste waren bei unserem Besuch – wie meist auf FKK-Plätzen – freundlich, aufmerksam und entspannt. Da der nächste Ort eine Handvoll Kilometer entfernt ist, ist ein Mietwagen sinnvoll, eigentlich notwendig. Am besten Vorausbuchen und am Flughafen Bastia abholen.

Mal etwas anderes: Massagen mit Meerblick auf dem FKK-Camping Domaine de Riva Bella. Foto: Gerhard von Kapff
Mal etwas anderes: Massagen mit Meerblick auf dem FKK-Camping Domaine de Riva Bella. Foto: Gerhard von Kapff

Wie viele Sterne?

Meine Besuche auf Campingplätzen enden inzwischen nur selten mit Enttäuschungen. Die Standards sind meistens zumindest weitgehend in Ordnung oder so, wie in der Beschreibung. Noch seltener, eigentlich fast nie aber kann ein Platz mit vielen kleinen Details und der Atmosphäre so sehr überraschen, dass ich mir fest vornehme, sehr bald wieder dort zu Gast sein zu wollen. Der unaufgeregt-sympathische Campingplatz Riva Bella gehört seit meinem Besuch ganz sicher zu dieser Kategorie. Fünf von fünf Sternen – eine wirkliche Empfehlung.

Traumhafte Spaziergänge direkt beim, Camping Domaine de Riva Bella. Foto: Gerhard von Kapff
Traumhafte Spaziergänge direkt beim Camping Domaine de Riva Bella. Foto: Gerhard von Kapff

Adresse:

Riva Bella Naturistencamping, Thalasso & Spa Resort

Route de Riva Bella
20270 Aléria, Korsika
Telefon: 0033 (0)4 95 36 38 38

https://www.naturisme-rivabella.com/de

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Zur Info und Offenlegung: Wir werden für diese Artikel nicht bezahlt, der Aufenthalt in einem Mobilehome mit Halbpension war aber Teil der Abmachung für eine Berichterstattung. Ich bin gelernter (Sport)-Redakteur, kein Influencer, und schreibe nur das, was ich selbst empfinde.


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FKK-Camping: Ist das etwas auch für mich?

FKK-Campingplatz Domaine de Riva Bella auf Korsika. Foto: Gerhard von Kapff

Camping, Korsika und FKK – das passt einfach zusammen. Noch nie auf der Mittelmeerinsel gewesen? Noch nie textilfreien Urlaub ausprobiert? Dann schildere ich jetzt ganz konkret am Beispiel des Campingplatzes Domaine de Riva Bella, wie man sich das vorstellen muss und was man beachten sollte. Vor allem aber beschreibe ich, wie es gefühlsmäßig ist, plötzlich gänzlich unbekleidet zwischen Mobilehomes, Zelten, Wohnwagen und Wohnmobilen sowie deren Besitzerinnen und Besitzern unterwegs zu sein.

FKK-Campingplatz Domaine de Riva Bella auf Korsika. Foto: Gerhard von Kapff
FKK-Campingplatz Domaine de Riva Bella auf Korsika. Foto: Gerhard von Kapff

Nackt im Restaurant zu sitzen ist ein „non-go“

Wer erzählt, ein Freund von FKK-Urlaub zu sein, muss sich auf recht unterschiedliche Reaktionen einstellen. Es ist immer wieder erstaunlich, wie wenige Menschen aus dem eigenen Umfeld oder Bekanntenkreis schon einmal auf einem FKK-Campingplatz waren. Schon alleine deshalb wird man immer wieder die Antwort hören, die in etwa lautet: „Nein, nein, das muss ja wirklich nicht sein.“ Gefolgt von der Furcht, sich unter so vielen Nackten unwohl zu fühlen, lautet die Antwort Nummer drei oft genug: „Ich will einfach nicht nackt im Restaurant sitzen.“ Trifft man dagegen auf Camper, die den hüllenlosen Urlaub schon einmal ausprobiert haben, wird man normalerweise gemeinsam ins Schwärmen kommen.

FKK-Campingplatz Domaine de Riva Bella auf Korsika. Foto: Gerhard von Kapff
FKK-Campingplatz Domaine de Riva Bella auf Korsika. Foto: Gerhard von Kapff

FKK: Die Regeln

Es ist daher wichtig, klarzustellen, was im FKK-Urlaub erlaubt ist – und vor allem, was nicht.

  1. Nackt in ein Restaurant einzulaufen ist ein absolutes No-Go. Wer abends essen geht, kommt selbstverständlich bekleidet. Allenfalls Mittags sitzen mitunter Menschen nur mit einem Handtuch als Unterlage in der Bar. Aber auch das ist eher unüblich.
  2. Ein FKK-Urlauber ist nie komplett ohne Textilien unterwegs – ein Handtuch ist schon aus hygienischen Gründen immer dabei. Es gibt zwar mitunter immer wieder Kandidaten, die tagsüber Nackt auf einem Barhocker sitzen. Die Wahrscheinlichkeit ist aber groß, dass sie unmissverständliche Ansagen der Mit-Camper erhalten. Wenn es um Hygiene geht, sind FKK-Anhänger auch zu Recht ein wenig pingelig.
  3. Die sanitären Anlagen sind genau aus dem eben genannten Grund daher in FKK-Camps meist in besserem Zustand als auf vergleichbaren Plätzen.
  4. Voyeure und sexuelle Handlungen sind unerwünscht. Die meisten FKK-Plätze haben in dieser Hinsicht klare Regeln, die normalerweise auch kompromisslos angewendet werden. Wer gegen sie verstößt, fliegt aus dem Camp.
  5. Alleinreisende Männer werden oftmals abgewiesen. Man kann das stigmatisierend finden oder nicht – die Erfahrung zeigt, dass diese Regeln mitunter notwendig sind. Wer dem Personal an der Anmeldung allerdings bereits bekannt ist, vorher telefonisch nachfragt oder den Ausweis eines FKK-Verbandes hat, sollte keine Probleme haben.
  6. Kinder und Jugendliche werden nicht gezwungen, sich ebenfalls auszuziehen. Schließlich haben sie Ferien, sollen sich wohlfühlen und eventuell entdecken, dass es viel natürlicher und angenehmer ist, nackt im Wasser zu baden oder, wenn es ihnen gefällt, unbekleidet mit Freunden zu spielen.
  7. Es gibt immer wieder Erwachsene, die zwar auf einen FKK-Platz wollen, aber trotzdem ausschließlich bekleidet unterwegs sind. Diesen Kandidaten blüht das Gleiche, was auch Menschen ohne Handtuch auf einem Barhocker erwartet: Eine klare Ansage der Mit-Camper.
FKK-Campingplatz Domaine de Riva Bella auf Korsika. Foto: Gerhard von Kapff
FKK-Campingplatz Domaine de Riva Bella auf Korsika. Foto: Gerhard von Kapff

Das erste Mal…

… auf einem FKK-Campingplatz anzukommen, ist schon ein bisschen seltsam. Das erste, was auffällt: Nicht jeder ist nackt. Wer mit dem Rad ins nahe gelegene Dörfchen unterwegs ist oder vom platzeigenen Supermarkt kommt, hat selbstredend etwas an. Niemand erwartet, dass man bis zur Schranke des Campingplatzes nackt sein muss.

Die meisten Mit-Camper allerdings sind ganz selbstverständlich unbekleidet auf dem Weg vom oder zum Strand, zu ihrem Wohnmobil oder gehen Hand in Hand spazieren. Die zweite Auffälligkeit ist die Unbekümmertheit der Feriengäste: Nach einer halben Stunde scheint es so normal zu sein, unbekleidet zu laufen oder in der Liege zu liegen, dass man sich keine Gedanken mehr darüber macht.

FKK-Campingplatz Domaine de Riva Bella auf Korsika. Foto: Gerhard von Kapff
FKK-Campingplatz Domaine de Riva Bella auf Korsika. Foto: Gerhard von Kapff

FKK-Urlauber: Ein unkompliziertes Völkchen

Außerdem sind FKK-Urlauber, das bestätigte sich meiner Frau und mit auch auf dem FKK-Camping Domaine de Riva Bella wieder, ein erstaunlich unkompliziertes und geselliges Völkchen. Wer nicht gerade kontaktscheu ist, wird von den Nachbarn morgens zumindest gegrüßt oder irgendwann in ein Gespräch verwickelt. Irgendwie seltsam ist das anfangs schon, mit einem Pärchen zusammenzustehen und sich eine Zeitlang bis auf die Badelatschen völlig nackt über Gott und die Welt zu unterhalten.

FKK-Campingplatz Restaurant auf Camp Domaine de Riva Bella auf Korsika. Foto: Gerhard von Kapff
FKK-Campingplatz-Restaurant Domaine de Riva Bella auf Korsika. Foto: Gerhard von Kapff

FKK: Nur keine Hemmungen wegen eines Bäuchleins

Keine Hemmungen übrigens: Auf einem FKK-Platz gibt es nicht nur schöne Menschen. Naja, meist sind sie ehrlich gesagt – wie auch sonst im Leben – sogar in der Unterzahl. Die Urlauber spiegeln, wie auch auf jedem anderen Campingplatz der Welt unsere Wohlstandsgesellschaft wieder, sind also mitunter deutlich wohlgenährt oder haben sich zumindest ein Bäuchlein erarbeitet.

Zur Info und Offenlegung: Wir werden für diese Artikel nicht bezahlt, der Aufenthalt in einem Mobilehome mit Halbpension war aber Teil der Abmachung für eine Berichterstattung. Ich bin gelernter (Sport)-Redakteur, kein Influencer, und schreibe nur das, was ich für richtig halte.

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