Camping, Korsika und FKK – das passt einfach zusammen. Noch nie auf der Mittelmeerinsel gewesen? Noch nie textilfreien Urlaub ausprobiert? Dann schildere ich jetzt ganz konkret am Beispiel des Campingplatzes Domaine de Riva Bella, wie man sich das vorstellen muss und was man beachten sollte. Vor allem aber beschreibe ich, wie es gefühlsmäßig ist, plötzlich gänzlich unbekleidet zwischen Mobilehomes, Zelten, Wohnwagen und Wohnmobilen sowie deren Besitzerinnen und Besitzern unterwegs zu sein.

Nackt im Restaurant zu sitzen ist ein „non-go“
Wer erzählt, ein Freund von FKK-Urlaub zu sein, muss sich auf recht unterschiedliche Reaktionen einstellen. Es ist immer wieder erstaunlich, wie wenige Menschen aus dem eigenen Umfeld oder Bekanntenkreis schon einmal auf einem FKK-Campingplatz waren. Schon alleine deshalb wird man immer wieder die Antwort hören, die in etwa lautet: „Nein, nein, das muss ja wirklich nicht sein.“ Gefolgt von der Furcht, sich unter so vielen Nackten unwohl zu fühlen, lautet die Antwort Nummer drei oft genug: „Ich will einfach nicht nackt im Restaurant sitzen.“ Trifft man dagegen auf Camper, die den hüllenlosen Urlaub schon einmal ausprobiert haben, wird man normalerweise gemeinsam ins Schwärmen kommen.

FKK: Die Regeln
Es ist daher wichtig, klarzustellen, was im FKK-Urlaub erlaubt ist – und vor allem, was nicht.
- Nackt in ein Restaurant einzulaufen ist ein absolutes No-Go. Wer abends essen geht, kommt selbstverständlich bekleidet. Allenfalls Mittags sitzen mitunter Menschen nur mit einem Handtuch als Unterlage in der Bar. Aber auch das ist eher unüblich.
- Ein FKK-Urlauber ist nie komplett ohne Textilien unterwegs – ein Handtuch ist schon aus hygienischen Gründen immer dabei. Es gibt zwar mitunter immer wieder Kandidaten, die tagsüber Nackt auf einem Barhocker sitzen. Die Wahrscheinlichkeit ist aber groß, dass sie unmissverständliche Ansagen der Mit-Camper erhalten. Wenn es um Hygiene geht, sind FKK-Anhänger auch zu Recht ein wenig pingelig.
- Die sanitären Anlagen sind genau aus dem eben genannten Grund daher in FKK-Camps meist in besserem Zustand als auf vergleichbaren Plätzen.
- Voyeure und sexuelle Handlungen sind unerwünscht. Die meisten FKK-Plätze haben in dieser Hinsicht klare Regeln, die normalerweise auch kompromisslos angewendet werden. Wer gegen sie verstößt, fliegt aus dem Camp.
- Alleinreisende Männer werden oftmals abgewiesen. Man kann das stigmatisierend finden oder nicht – die Erfahrung zeigt, dass diese Regeln mitunter notwendig sind. Wer dem Personal an der Anmeldung allerdings bereits bekannt ist, vorher telefonisch nachfragt oder den Ausweis eines FKK-Verbandes hat, sollte keine Probleme haben.
- Kinder und Jugendliche werden nicht gezwungen, sich ebenfalls auszuziehen. Schließlich haben sie Ferien, sollen sich wohlfühlen und eventuell entdecken, dass es viel natürlicher und angenehmer ist, nackt im Wasser zu baden oder, wenn es ihnen gefällt, unbekleidet mit Freunden zu spielen.
- Es gibt immer wieder Erwachsene, die zwar auf einen FKK-Platz wollen, aber trotzdem ausschließlich bekleidet unterwegs sind. Diesen Kandidaten blüht das Gleiche, was auch Menschen ohne Handtuch auf einem Barhocker erwartet: Eine klare Ansage der Mit-Camper.

Das erste Mal…
… auf einem FKK-Campingplatz anzukommen, ist schon ein bisschen seltsam. Das erste, was auffällt: Nicht jeder ist nackt. Wer mit dem Rad ins nahe gelegene Dörfchen unterwegs ist oder vom platzeigenen Supermarkt kommt, hat selbstredend etwas an. Niemand erwartet, dass man bis zur Schranke des Campingplatzes nackt sein muss.
Die meisten Mit-Camper allerdings sind ganz selbstverständlich unbekleidet auf dem Weg vom oder zum Strand, zu ihrem Wohnmobil oder gehen Hand in Hand spazieren. Die zweite Auffälligkeit ist die Unbekümmertheit der Feriengäste: Nach einer halben Stunde scheint es so normal zu sein, unbekleidet zu laufen oder in der Liege zu liegen, dass man sich keine Gedanken mehr darüber macht.

FKK-Urlauber: Ein unkompliziertes Völkchen
Außerdem sind FKK-Urlauber, das bestätigte sich meiner Frau und mit auch auf dem FKK-Camping Domaine de Riva Bella wieder, ein erstaunlich unkompliziertes und geselliges Völkchen. Wer nicht gerade kontaktscheu ist, wird von den Nachbarn morgens zumindest gegrüßt oder irgendwann in ein Gespräch verwickelt. Irgendwie seltsam ist das anfangs schon, mit einem Pärchen zusammenzustehen und sich eine Zeitlang bis auf die Badelatschen völlig nackt über Gott und die Welt zu unterhalten.

FKK: Nur keine Hemmungen wegen eines Bäuchleins
Keine Hemmungen übrigens: Auf einem FKK-Platz gibt es nicht nur schöne Menschen. Naja, meist sind sie ehrlich gesagt – wie auch sonst im Leben – sogar in der Unterzahl. Die Urlauber spiegeln, wie auch auf jedem anderen Campingplatz der Welt unsere Wohlstandsgesellschaft wieder, sind also mitunter deutlich wohlgenährt oder haben sich zumindest ein Bäuchlein erarbeitet.
Zur Info und Offenlegung: Wir werden für diese Artikel nicht bezahlt, der Aufenthalt in einem Mobilehome mit Halbpension war aber Teil der Abmachung für eine Berichterstattung. Ich bin gelernter (Sport)-Redakteur, kein Influencer, und schreibe nur das, was ich für richtig halte.
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