Es gibt Reiseziele, auf die getrost verzichtet werden kann. Andere dagegen möchte man jedem ans Herz legen, der Sinn für die Schönheit der Natur hat und eine entspannte Atmosphäre sucht. Wie beispielsweise Korsika. Die Schwesterinsel von Sardinien liegt im Mittelmeer und hat eine so vielseitige Landschaft zu bieten wie nur wenige andere Inseln. Kulinarisch bietet sie außerdem immer wieder neue Entdeckungen und die Strände sind so unterschiedlich wie weitläufig.
Abgesehen davon hat Korsika etliche Campingplätze, fünf davon sind textilfrei, einer verfügt immerhin über einen FKK-Strand. Der wohl attraktivste Platz ist der seit 1965 bestehende Domaine de Riva Bella, ein Platz an der Ostküste mit Dünen, einer Lagune, Lamas, einem Thalasso- und Spa-Zentrum sowie einem ganz ausgezeichneten Restaurant.

Seit 60 Jahren ein Familienbetrieb
Seit über 60 Jahren betreibt die Familie Gaddoni den Campingplatz direkt am Meer. „Damals wurde hier vor allem Wein angebaut und meine Eltern haben dann umgestellt auf Camping“, erzählt Marie-Claire Gaddoni, die den Campingplatz leitet. Ein echter Familienbetrieb ist das, denn auch zwei ihrer Töchter und eine Schwester arbeiten mit. „Ich selbst bin eigentlich immer im Bereich rund um die Rezeption zu finden“, sagt Gaddoni. Nur konsequent also, dass die Familie Mittags gemeinsam und für alle Gäste sichtbar auf der Rezeptions-Terrasse isst.

Einst ein Weingut
Einst war das heutige Campinggelände ein Weingut, die flache Dünenlandschaft und die großen Senken dazwischen boten sich dafür an. 1965 allerdings beschlossen die Eltern einen anderen Weg zu gehen und das Gelände für Camper zu öffnen. Der damalige Campingboom half ihnen dabei, vor allem Gäste aus der nahen Provinzhhauptstadt Bastia zu locken. Bereits zwei Jahre später folgte die Umstellung auf FKK. Ein weiterer damaliger Boom, den die Familie erkannt hatte und der sich auch finanziell auszahlte.

Spa- und Thalasso-Zentrum auch für den Winter
Im Laufe der Jahre wurde das „damals sehr einfache Camp“ (Gaddoni) zu einem gehobenen Campingresort mit Thalasso- und Spa-Zentrum weiterentwickelt. Irgendwann war es – im Gegensatz zu den meisten anderen Campingplätzen – auch kein Saisonbetrieb mehr. Riva Bella ist heute das ganze Jahr über geöffnet. „In den Sommermonaten sind wir meist ausgebucht“, sagt Gaddoni, „im Winter haben wir natürlich viel weniger, manchmal sogar nur 40 Gäste. “

Natürliches Gelände mit viel Platz
Es ist eine gewisse Gelassenheit, gut möglich, dass es sich um Lebenserfahrung handelt, die beim Gespräch mit der Camp-Besitzerin immer wieder zu spüren ist. Sie setzt sich auch in der Planung für die Weiterentwicklung des Campingplatzes fort. Denn zunächst fällt dem Besucher auf, dass es auf Riva Bella zwar Parzellen gibt. Es wurden aber keine Sträucher oder Büsche gepflanzt, um die Camper voneinander abzugrenzen oder gar Sichtkontakt zu verhindern. Außerdem wurde das Gelände nicht planiert oder gar um gestaltet wie es momentan vor allem in Kroatien Trend ist. Es gibt mehrere Möglichkeiten, den Camper oder das Zelt gerade hinzustellen, ansonsten aber wurde das Gelände weitgehend so gelassen, wie es eben war: Es ist ein bisschen hügelig und man kann sich heute noch gut vorstellen, wo einst die Reben der Weintrauben in langen Reihen verliefen. Auch wenn damals und im Gegensatz zu heute wohl nur wenige Bäume vorhanden waren.

Die Camper sollen viel Platz haben
Abgesehen davon sind vor allem die Parzellen im hinteren Bereich des Platzes so groß, dass andere Campingplatz-Betreiber darauf leicht fünf oder mehr Stellplätze ausweisen würden. „Natürlich könnte ich die Parzellen kleiner machen und mehr Plätze ausweisen“, sagt Marie Claire Gaddoni: „Aber es bringt auf lange Zeit nichts, wenn man zu sehr aufs Geld schaut oder zu viel spart. Wenn ich mehr Besucher habe, brauche ich mehr Personal, mehr Strom und eine größere Infrastruktur. Es ist langfristig besser, guten Service zu bieten.“

Bungalows in den Dünen auf dem FKK-Camping Domaine de Riva Bella. Foto: Gerhard von Kapff
Bungalows in den Dünen mit Meerblick
Aus diesem Grund schließt sie sich dem Trend zu Mobilehomes auch nur etwas widerstrebend an. „Klar, wenn man nur aufs Geld schauen würde, müsste man mehr als unsere 35 Mobilehomes anbieten“, weiß sie. Aber ihrer Familie sind die 90 Bungalows und 17 Chalets, die teils in erster und zweiter Reihe zum Strand stehen, und eine überwältigende Sicht aufs Meer haben, sympathischer: „Die sind solide aus Stein gebaut, sind langlebig und gut isoliert“.

Ein Lama am Fenster des Campers
Kurios, dass die Isolierung der kleinen Bungalows mit den Mit-Bewohnern von Riva Bella zusammenhängt. Es ist gut möglich, dass den Campern oder Bungalowgästen unerwartet ein Lama über die Schultern oder durchs Küchenfenster schaut. Die südamerikanischen Nutztiere erfüllen auch auf Riva Bella eine wichtige Aufgabe. „Es gibt auf der Insel immer wieder verheerende Brände, die sich durch das Buschwerk der Macchia schnell weiterverbreiten“, sagt Gaddoni: „Deshalb haben wir uns Lamas zugelegt, die in ihrem Gehege alles bis auf Kopfhöhe abfressen. Wenn es brennt, ist das eine Schneise vor dem Campingplatz, die leicht zu löschen ist.“

Lama-Wolle als Dämmmaterial für die Bungalows
Die meisten Tiere sind in ihrem weiten und umzäunten Gehege unterwegs. Mitunter aber büchst das ein oder andere der 35 Lamas aus und besucht die Camper. „Momentan sind es zwei, die irgendwie rausgekommen sind“, sagt Gaddoni und lächelt: „Man kann sie auch sehr gut von den anderen unterscheiden, da das Fell so struppig ist.“ Das Fell ist ein weiterer positiver Aspekt, um Lamas zu halten. „Die Wolle ist perfekt, um damit die Bungalows zu dämmen.“ Wer nun fragt, ob es im Resort-eigenen Restaurant daher auch Lama-Braten gibt, erntet einen entsetzten Blick der Camp-Chefin: „Nein, nein. Das sind doch so liebe Tiere. Die dürfen einfach hier leben.“

Einer von sechs FKK-Plätzen bei france4Naturisme
Riva Bella ist Teil der Campingplatzvereinigung france4Naturisme, die ihren Ursprung vor 35 Jahren nahm. „Wir sind die Besitzer von sechs Campingplätzen, die auch in Frankreich sind und waren einfach zu Beginn alle lediglich befreundet“, erzählt Gaddoni: „Irgendwann haben wir dann überlegt, dass wir gemeinsam einen in etwa gleichen Qualitätsstandard anbieten könnten und haben die Vereinigung gegründet.“ Die Vereinigung beschreibt sich selbst so: „Seit 1992 lädt Sie unser Netzwerk aus sechs außergewöhnlichen FKK-Anlagen dazu ein, einen authentischen Urlaub in einigen der schönsten Naturgebiete Frankreichs zu verbringen. Von Korsika bis zum Languedoc, über die Atlantikküste und die Provence, jeder unserer FKK-Campingplätze verpflichtet sich, Ihnen einen qualitativ hochwertigen Empfang und erstklassige Dienstleistungen zu bieten, sowie eine breite Palette an Aktivitäten und Einrichtungen für die ganze Familie bereitzustellen. Wir vertreten Werte wie Achtung, Freiheit, Leben in Osmose mit der Natur und ökologische Verantwortung.“

Campingplatz-Test
Öffnungszeiten: Das ganze Jahr über geöffnet. FKK von 1. April bis 5. November.
Gelände und Parzellen: Riva Bella besteht aus einem leicht hügeligen Bereich mit Stellplätzen und Mobilehomes. Daran schließt sich ein flacher Bereich in Richtung Dünen an, in dem die Stellplätze etwa weniger Platz bieten als im oberen Teil. In die Dünen gebaut wurden – was heute sicher aus Umweltgründen nicht mehr erlaubt würde, aber jahre- oder jahrzehntelanger Bestand ist – Bungalows in verschiedenen Größen und Varianten. Teils mit Stein- teils mit Holzterrassen. Die vorderen beiden Reihen haben einen sensationellen Blick über den Strand und das Meer, das allenfalls 30 Meter entfernt ist.
Rezeption: Kompetent, freundlich und schnell.
Mini-Supermarkt: Ist vorhanden, um das Nötigste einzukaufen.

Restaurant: Das Restaurant mit seiner herrlichen Terrasse über dem Meer ist schon optisch eine Sensation. Der Innenraum, der im Falle von schlechter Witterung genutzt werden muss, ist karg und ein wenig lieblos eingerichtet. Im Gegensatz dazu ist die Qualität der Gerichte teils überwältigend. Wir hatten bei unserem Campingplatz-Test fünf Abende das Halbpensions-Menü und hatten exakt ein Gericht, das lediglich ordentlich und gut war. Alle anderen haben uns geschmacklich, von der Qualität der verwendeten Produkte und von der Präsentation absolut überzeugt. Neben den meisten positiven gibt es im Internet einige wenige negative Kritiken. Für uns nicht im Geringsten nachvollziehbar, das Abendessen im Riva Bella war stets die Krönung des Tages.
Halbpension: Die Halbpension, die auch Campingäste buchen können, beinhaltet für 45 Euro ein sehr opulentes, auch optisch attraktiv angerichtetes Frühstück, das am Tisch serviert wird. Abends kann jeder Gast entweder aus der Karte oder dem tagesaktuellen Angebote je zwei Gerichte wählen. Also Haupt- und Nachspeise, Vor- und Hauptspeise oder Vor- und Nachspeise. Mit enthalten ist pro Person ein Viertelliter Wein und Wasser oder alternativ ein Glas Bier (0,4) sowie Kaffee. Der Kinderpreis beträgt 25 Euro.

Wellness: Im Spa- und Thalasso-Zentrum werden eine große Anzahl an Anwendungen gegen Bezahlung angeboten. Die kostenlose Fass-Sauna mit Meerblick – ein echter Tipp – ist ab 16 Uhr in Betrieb. Zum Abkühlen steigt man direkt ins Meer.
Sport: Tägliche, kostenlose Sportangebote für Erwachsene, vom 15. Juni bis 15. September morgens Yoga sowie je nach Programm Fitness auf dem Meer, Fitness auf dem Paddle, Nordic Walking, Bauch-Beine-Po, Hiit, Pilates, Bogenschießen mit Annie, Wassergymnastik, Paddeln, Kanu fahren oder Windsurfen , Töpferei, Acquarellkurs, Tangokurs.
Kids-Club: Im Juli und August, vormittags und nachmittags für Kinder von 4 bis 14 Jahren. Die Kinder werden von einem BAFA-qualifizierten Animateur betreut und unternehmen Aktivitäten, die für alle Altersgruppen geeignet sind: Sport, Basteln, Naturaktivitäten. Das Animationsteam spricht Französisch, Englisch, Deutsch und Spanisch.
Gästestruktur: 50 Prozent Franzosen bzw. Korsen, 30 Prozent deutsche Urlauber, 10 Prozent Schweizer und Holländer.

Persönliches Fazit
Der Campingplatz Riva Bella, auf dem wir in einem Mobilehome waren, hat uns absolut überzeugt.
Die Gründe: Der außergewöhnlich schöne Strandbereich mit Sanddünen, der sich über Kilometer hinzieht. Das auch im September noch warme und glasklare Wasser (trotz Wellen). Ein Restaurant mit einer nicht nur für einen Campingplatz überwältigenden Küche. Die Großzügigkeit der Parzellen vor allem im hinteren Camp-Bereich. Das gute Wifi: Es wurden vor Kurzem zwölf Kilometer Glasfaserkabel verlegt.
Überwältigend ist aber auch der Blick auf die beiden Lagunen. Riva Bella hat das Glück, direkt am Rande eines Naturschutzgebietes zu liegen, in dem von September bis April in einer Salzwasserlagune Flamingos leben. Zu Fuß erreichbar ist auch die gewaltig große Lagune Etangs de Diane.
Unseren Erfahrungen nach ist Riva Bella ein exzellent und mit viel Erfahrung geführter Campingplatz auf sehr hohem Niveau an einem schönen langen Sandstrand. Wer unbedingt will, kann kritisieren, dass die Sanitäranlagen schon etwas älteren Datums sind. Letztlich entscheidend: Sie sind gepflegt und sauber. Vor allem hat uns der Blick und die Qualität des Essens im Restaurant überrascht. Die Gäste waren bei unserem Besuch – wie meist auf FKK-Plätzen – freundlich, aufmerksam und entspannt. Da der nächste Ort eine Handvoll Kilometer entfernt ist, ist ein Mietwagen sinnvoll, eigentlich notwendig. Am besten Vorausbuchen und am Flughafen Bastia abholen.

Wie viele Sterne?
Meine Besuche auf Campingplätzen enden inzwischen nur selten mit Enttäuschungen. Die Standards sind meistens zumindest weitgehend in Ordnung oder so, wie in der Beschreibung. Noch seltener, eigentlich fast nie aber kann ein Platz mit vielen kleinen Details und der Atmosphäre so sehr überraschen, dass ich mir fest vornehme, sehr bald wieder dort zu Gast sein zu wollen. Der unaufgeregt-sympathische Campingplatz Riva Bella gehört seit meinem Besuch ganz sicher zu dieser Kategorie. Fünf von fünf Sternen – eine wirkliche Empfehlung.

Adresse:
Riva Bella Naturistencamping, Thalasso & Spa Resort
Route de Riva Bella
20270 Aléria, Korsika
Telefon: 0033 (0)4 95 36 38 38
https://www.naturisme-rivabella.com/de
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Zur Info und Offenlegung: Wir werden für diese Artikel nicht bezahlt, der Aufenthalt in einem Mobilehome mit Halbpension war aber Teil der Abmachung für eine Berichterstattung. Ich bin gelernter (Sport)-Redakteur, kein Influencer, und schreibe nur das, was ich selbst empfinde.
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