Der Campingplatz Al Bosco in Grado hat ein Alleinstellungsmerkmal: Er ist als Einziger in Stadtnähe. Wohl auch deshalb ist der preislich sehr günstige Platz in dem Badeort an der italienischen Adria gut besucht. Denn an den sanitären Einrichtungen kann seine Beliebtheit nicht liegen. Sie sind aus der Camping-Steinzeit, ungepflegt und nahezu unzumutbar.
Campingplatz-Test: Im ersten Moment charmant
Es ist schade: Im Falle eines Campingplatz-Tests ist die Intention, seinen Lesern etwas Positives mitzugeben. Einen Tipp, wo es sich lohnen würde, hinzufahren.
Beim Camping al Bosco geht diese Ambition, salopp ausgedrückt, vollkommen in die Hose. Dabei ist der erste Eindruck vielversprechend: Der Eingangsbereich mit dem flachen Empfangshäuschen ist eine charmante Zeitreise in die einstmals gemütlichen Zeiten des Zeltens in Jugendtagen. Die Angestellten und auch der Campingplatzchef Francesco Grigolon spulen die Anmeldung fix und routiniert ab.
Campingplatz-Test: Kleine Stellplätze
Auch die meisten Stellplätze sind ordentlich, gerade und vom Nachbarn zumindest ein wenig optisch abgetrennt. Sehr große Mobile allerdings dürften Platzprobleme bekommen. Aber auch normal Campern bis sieben Meter bleibt nur wenig Freifläche außerhalb des Mobils. Es geht recht kuschlig zu auf den 242 Stellplätzen. Etwas mehr Platz haben die 30 Dauercamper.
Campingplatz-Test: Strand fällt extrem flach ab
Der Weg zum Strand beträgt von den hinteren Stellplätzen allenfalls 80 Meter. Wer allerdings jetzt meint, bereits im Wasser zu stehen, irrt gewaltig. Camper, die nach Grado fahren, sollten sich vorher genau erkundigen, ob diese Art von Strand der Richtige für sie ist. Enttäuschungen sind ansonsten vorprogrammiert. Der Grund ist, dass der Sandstrand extrem flach abfällt. Je nach Ebbe oder Flut werden auch nach 200 Metern ab der Wasserlinie allenfalls die Waden nass. Kein Wunder, dass einige Hotels und annähernd jeder Campingplatz lange Stege besitzen, die in Richtung Wasser und der Strömungsrinne führen, die für ein wenig Tiefe sorgt.
Grado Camping al Bosco, Strand des Camping al Bosco
Campingplatz-Test: Sinnloser Bademeister
Kristallklares Meerwasser sollte aber auch weit draußen niemand erwarten. Der aufgewühlte Sand und das Seegras verhindern die Sicht an den Grund. Paradox auch, dass der Bademeister am Ufer sitzt und über das knöcheltiefe Wasser wacht – draußen am Ende des Steges – dort also, wo das Leben tobt und begeisterte Kinder springen und tauchen – passt niemand auf.
Campingplatz-Test: Hübsches Restaurant
Richtig hübsch gelegen ist das Restaurant des Camping al Bosco. Laut dem Campinglatz-Besitzer steht es auf den ehemaligen Dünen und einer kleinen einstigen Festungsanlage. Vor allem der Bar-Tisch mit dem Blick auf das Meer ist bei den Gästen beliebt. Wichtig: Am Wochenende im Restaurant am besten einen Tag vorher reservieren.
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Campingplatz-Test: Sanitäranlagen inakzeptabel
„So ungefähr seit 68 Jahren“, sagt Francesco Grigolon, betreibt meine Familie diesen Campingplatz. Die Frage, ob die Sanitäranlagen genauso alt sind, spare ich mir. Wichtiger wäre, ob sie irgendwann saniert werden sollen: „Ja, in den nächsten Jahren.“
Grado Camping al Bosco, Strand des Camping al Bosco, die Sanitäranlagen. Grado Camping al Bosco, Strand des Camping al Bosco, die Sanitäranlagen. Selbst eine kalte Dusche kostet 20 Cent. Grado Camping al Bosco, Strand des Camping al Bosco, die Sanitäranlagen.
Nun könnte man sich in Nicht-Corona-Zeiten schon mal überlegen, ob man ob des wirklich günstigen Preises von 34 Euro für zwei Personen mit Stellplatz (in der teuersten Zeit) die antiquierten beiden Wasch- und Toilettenhäuser toleriert. Vor allem, wenn man im Camper über eine eigene Sanitäranlage verfügt. Denn hier sind angeschlagene Waschbecken, zugeklebte Pissoirs, jahrealte Kalkstreifen in den anderen Pissoirs nicht die Ausnahme, sondern Standard. Immerhin ist die Toilettenanlage am Strand ein wenig geplegter.
Campingplatz-Test: Nicht mal Toilettendeckel
In Corona-Zeiten dagegen ist das sporadisch gereinigte Waschhaus, in dem es weder Toilettendeckel gibt noch Toilettenpapier jedenfalls vollkommen inakzeptabel. Die Fotos sprechen ihre eigene Sprache, mehr muss man nicht sagen. Die unappetitlichsten Motive haben wir erst gar nicht fotografiert. Für Nostalgiker: Selbst Plumpsklos gibt es hier noch.
Versöhnlich immerhin: Grado ist toll!
Fazit: Wer einen nahen Stellplatz für das jährliche Jazz-Festival Grados sucht, zurück in die Camping-Steinzeit will oder über autarke Sanitäranlagen verfügt, für den ist Camping al Bosco vielleicht sogar geeignet. Alle anderen müssen auf die weit gepflegteren Plätze außerhalb des Stadtbezirkes ausweichen.
Camping Al Bosco. Tel.: (+39) 043180485. www.campingalboscoi.it.
Grado ist absolut sehenswert. Foto: Gerhard von Kapff Grado ist absolut sehenswert. Foto: Gerhard von Kapff Grado ist absolut sehenswert. Foto: Gerhard von Kapff
Abgesehen davon ist Grado durchaus ein sehenswertes Örtchen, das einen Besuch lohnt. Die historische Altstadt ist vor allem in den Abendstunden wunderschön, es gibt gute Restaurants in Hülle und Fülle und typisch italienische Strandbäder für den, der das mag. Ein Geheimtipp für das vor allem bei italienischen und österreichischen Gästen sind die vielen musikalischen und kulturellen Events im Sommerhalbjahr. Es sind hier oftmals Künstler zu sehen, die normalerweise in weit größerem Rahmen auftreten. Es lohnt sich, bereits im Frühjahr auf die Internetseiten von Grado zu blicken.
Infos HIER
Weitere Campingplatz-Test auf einer kleinen Rundreise in den Süden des Gardasees sind Camping Fornella und Camping La Rocca und Camping Bergamini.
Wie der Platz Bergamini gehören die von uns ebenfalls getesteten Camping Fornellaund Camping La Rocca dem Verbund lagodigardacamping an. Infos über die Vereinigung, der laut Pressesprecherin Elena Oppizzi derzeit 18 Plätze zwischen Bardolino und San Felice del Benaco angehören, gibt es HIER.