Savudrija: Feine Küche und der Charme von früher

Savudrija und Umgebung, Uferbereich Camping

Anka mag es, wenn man sie fragt, was denn ihre Lieblingsspeise ist. Schließlich ist das Porto Salvore ihr eigenes Lokal im Hafen von Savudrija. Wenn sie nur auf den Profit schauen würde, wäre es naheliegend, dass sie nun frischen Fisch im Salzmantel, Hummer oder andere Meerestiere empfiehlt. Stattdessen rät sie zu Pasta – allerdings einer ganz besonderer Pasta. „Das ist mein Signature-Dish“, lächelt sie: Die Pasta Pljukanci mit Prawns und Zucchini“. Nichts anderes als die Handschrift der Köchin, die die persönliche Philosophie und Kreativität ihrer Küche ausdrücken soll.

Exquisite Pasta
Familienbetrieb: Anka, die Besitzerin des Porto Salvore mit ihren beiden Söhnen.

Alles passt zusammen

Als sie die Pasta dann auf den Tisch stellt, und man die ersten Bissen nimmt, weiß man schnell, dass hier alles zusammenpasst. Der schlichte Hafen von Savudrija in dem seit Jahrhunderten schon frühmorgens die Fischerboote ihren Fang ausladen, der einfache Campingplatz nebenan – und die bodenständige aber doch recht feine Meeresküche im Restaurant Porto Salvore.

An der Nordwest-Spitze Istriens

Savudrija ist nicht unbedingt der Ort, den Istrien-Urlauber als Erstes ansteuern, und der Hafen schon gar nicht. Man muss sich durch ein paar schmale Gässchen schlängeln, die den Wohnmobil-Besitzer zu ein wenig größerer Aufmerksamkeit zwingen als gemeinhin auf den Straßen. Trotzdem ist diese kleine Ecke an der Nordwestspitze Istriens ein bisschen anders als die Tourismusburgen Rovinj, Pula oder Porec.

Savudrija und Umgebung, Blick auf den Hafen vom Restaurant Porto Salvore

Relikt der Vergangenheit

Zwar liegt Savudrija fast direkt an der Rennstrecke von Triest über Slowenien zu den Stränden im Süden. Dennoch ist er ursprünglich geblieben. Der Hafen ist und bleibt ein schlichter Fischerhafen mit vielen Parkplätzen, an der Kaimauer wird das Bier nicht in einer stylischen Lounge ausgeschenkt, sondern in einer relativ einfachen Bar und der kleine Campingplatz Tramontana direkt am Hafen ist ohnehin ein Relikt der Vergangenheit.

Savudrija, Blick auf den Leuchtturm

Der Strand ist ein Berg von Steinen

Camping wie vor 20 oder 30 Jahren ist im Autocamp Tramontana zu finden. Das heißt: Es gibt weder Spielplätze, noch Rutschen, Animation oder Pool und auch keinen aufgeschütteten Strand. Wer ins übrigens auch im September noch kristallklare Wasser will, muss über Steine klettern oder über Leitern ins Meer. Auf dem kleinen Platz gibt es viel Schatten, und er ist so herrlich unkompliziert, wie man das von früher kennt. Es kann daher auch sein, dass in dem kleinen Häuschen, das die Rezeption ist, gerade niemand vor Ort ist.

Savudrija, Camping-„Strand“ des Autocamps Tramontana. Wer baden will, muss klettern.

Acht Kilometer bis Umag

Das alles bedeutet aber nicht, dass Savudrija ein einsames Fleckchen wäre. Rund um den Ort und bis ins acht Kilometer nahe Umag schließt sich ein Großcampingplatz an den anderen an. In Richtung Slowenien ist in gut zehn Fahrminuten der FKK-Camping Kanegra (siehe Campingplatz-Test auf diesem Blog) erreicht. Der nahegelegenste kroatische Platz vom Slowenien aus gesehen. die nächste Großstadt, das italienische Triest, ist für einen Ausflug übrigens gerade einmal 50 Kilometer entfernt.

Savudrija, Uferbereich Camping Tramontana: … oder über die Leiter ins Wasser.

Infos zu Ort und Region

Savudrija, das im Italienischen Salvore heißt, ist ein offizieller Stadtteil von Umag. Gut 400 Einwohner leben in der Winterzeit in dem einstigen Fischerdorf, das natürlich inzwischen über touristische Strukturen hat. Vor allem die vielen Radwege, die immer weiter ausgebaut werden, locken inzwischen immer mehr Rad-Touristen an. Der nahe liegende Golfplatz Golf Adriatic hat auch eine finanziell potente Klientel in die Region gebracht. Vor allem die Lokale profitieren davon. Durch seine Lage am Kap Loko gilt Savudrija als der westlichste Punkt Kroatiens.

Savudrija und Umgebung, neue Radwege

Die Geschichte reicht bis in die Steinzeit. Der Name des Ortes allerdings soll vom italienischen „Salvo re“ („Geretteter König“) abstammen. So soll sich der Sohn des Kaisers Barbarossa im Jahr 1177 nach einer Seeschlacht in einer Wasserzisterne versteckt haben. Ein wenig touristisch wurde es bereits unter der österreichisch-ungarischen Monarchie. Wie auch andere Orte Istriens auch entwickelte sich Savudrija dank seines gesundheitsfördernden Klimas zu einem frühen Zentrum des Kur-Tourismus.

Savudrija und Umgebung, gesicherte Fischerboote
Savudrija und Umgebung, gesicherte Fischerboote

Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten

  • Der Leuchtturm von Savudrija, im Jahr 1818 erbaut, ist mit seinen 36 Metern der älteste aktive Leuchtturm der Adria. Momentan (2026) ist er allerdings nur von Außen zu besichtigen.
  • Die „Grue“-Bootsgestelle: Ein Blickfang und zugleich einzigartig sind die traditionellen Holzgerüste, die immer wieder an kleinen Häfen oder Anlegestellen zu finden sind. Um die Boote vor starken Wellen und den Stürmen der Adria zu schützen, hängten sie die Boote an den Holzkonstruktionen auf.
  • Antiker Hafen: Leider teilweise unter Wasser liegen die Überreste eines ehemals bedeutenden römischen Hafens (Stara Savudrijal) und sind nur für Taucher erreichbar.
Savudrija: grandiose Sonnenuntergänge

Ein nahes Ziel: Umag

Umag ist das unaufgeregte Tor zu Istrien. Wer mit dem Wohnmobil oder dem Wohnwagengespann über die slowenisch-kroatische Grenze nach Istrien einreist, stößt unweigerlich als Erstes auf Umag. Die Kleinstadt mit knapp 13.000 Einwohnern vermarktet sich gerne als sportliches und touristisches Zentrum der Region. Doch abseits der Hochglanz-Prospekte bietet der Ort vor allem eine solide Basis für Reisende, die eine Mischung aus historischer Kulisse, sportlicher Infrastruktur und maritimem Flair suchen, ohne den ganz großen Trubel anderer istrischer Hotspots in Kauf nehmen zu müssen.

Altes Pflaster und venezianisches Erbe

Das historische Zentrum der Stadt liegt kompakt auf einer kleinen Halbinsel und lässt sich problemlos bei einem kurzen Rundgang zu Fuß erkunden. Beim Spaziergang durch die engen Gassen wird das venezianische Erbe schnell sichtbar: Überreste der alten Stadtmauern aus dem 10. Jahrhundert, steinerne Wappen an den Fassaden und gut erhaltene Bauten aus der Renaissance prägen das Bild.

Zentraler Anlaufpunkt ist der Hauptplatz Trg Slobode. Hier steht die Pfarrkirche Maria Himmelfahrt mit ihrem markanten, freistehenden Glockenturm. Abseits der Hauptsaison geht es hier angenehm ruhig zu. Wer architektonische Meisterwerke sucht, wird vielleicht enttäuscht, doch für einen entspannten Nachmittagskaffee bietet die Altstadt genau die richtige, unaufdringliche Kulisse.

Internationalen Namen hat sich der Ort vor allem als Sportstadt gemacht. Einmal im Jahr, meist im Hochsommer, verwandelt sich die Küste rund um das Stella Maris Resort in einen Hexenkessel, wenn hier das bekannte ATP-Tennisturnier ausgetragen wird. Für Individualurlauber ist die Infrastruktur außerhalb dieser Turnierwoche allerdings interessanter: Die Region verfügt über ein hervorragend ausgebautes Netz an Rad- und Wanderwegen, die flach an der Küste entlangführen.

Ein lohnendes Ziel für eine kleine Radtour ist der etwa zehn Kilometer nördlich gelegene Leuchtturm von Savudrija. Der 1818 erbaute Turm gilt als der älteste noch aktive Leuchtturm an der gesamten Adria. Er ist ein beliebter Fotostopp, auch wenn der umliegende Küstenabschnitt – wie so oft in dieser Ecke – recht felsig und rau ist.

In den Gassen und rund um das Hafenbecken reihen sich die typischen Konobas und Restaurants aneinander. Kulinarisch bewegt sich Umag auf dem klassischen istrischen Terrain: Auf den Speisekarten dominieren frischer Fisch, Meeresfrüchte und die traditionellen Pljukanci- oder Fuži-Nudeln, die häufig mit den berühmten istrianischen Trüffeln serviert werden.

Die Qualität in den Touristenlokalen direkt an der Promenade ist solide, allerdings lohnt sich oft der Blick in die zweite Reihe, um authentischere Küche zu finden. Zusammen mit einem Glas regionalem Malvazija-Weißwein lässt sich der Tag hier mit Blick auf die schaukelnden Fischerboote unkompliziert abschließen.

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